Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 29.12.2016

Die Macht der Gewohnheiten

Alle Jahre wieder überlegen sich viele Menschen am Silvesterabend eine Reihe von gu­ten Vorsätzen für das jeweils kommende Jahr. Sie nehmen sich vor, mit ihren Gewohn­heiten zu brechen, also zum Beispiel sich endlich das Smartphone im Schlafzimmer abzugewöhnen oder die Routineuntersuchung beim Zahnarzt nicht wieder von Monat zu Monat aufzuschieben, sondern aktiv einen Termin zu vereinbaren. Aber wie leicht lassen sich solche alten Gewohnheiten verändern? Eine aktuell in der Fachzeitschrift „Journal of Experimental Psychology: General“ veröffentlichte Studie zeigt: Vermei­dungsgewohnheiten sind leichter zu verändern als Annäherungsgewohnhei­ten!

Annäherungs- und Vermeidungsgewohnheiten

Gewohnheiten sind schwierig zu ändern. Der automatische Griff nach dem Smartphone auf dem Nachttisch und das automatische Verschieben des Zahnarzttermins von Monat zu Monat sind solche alltäglichen Gewohnheiten. Allerdings besteht zwischen den Bei­spielen ein wichtiger Unterschied:
  • Das Smartphone zu nutzen ist eine Form des Annäherungsverhaltens, denn mit dem Griff zum Smartphone wird aktiv ein positiver Zustand aufgesucht.
  • Den Zahnarzttermin zu verhindern hingegen ist eine Form des Vermeidungsver­haltens: indem man Monat für Monat wieder keinen Termin vereinbart, vermei­det man einen Zustand, den man sich als unangenehm vorstellt.
Christof Kuhbandner, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Re­gensburg, hat sich gemeinsam mit seiner Kollegin Julia Haager gefragt: Welche Ge­wohnheiten sind leichter zu durchbrechen, Annäherungs- oder Vermeidungsgewohn­heiten?

Zwei Experimente: Erlernen und Umgewöhnen von Verhaltensreaktionen

Um diese Frage zu beantworten, untersuchten sie in zwei Experimenten das Entstehen und anschließende Verändern von Gewohnheiten bei Annäherungs- und Vermeidungs­verhalten. Versuchspersonen sahen vor sich auf einem Bildschirm...
  • zum einen eine kleine Figur (die die Versuchspersonen selbst repräsentieren sollte) und
  • zum anderen das Foto eines bestimmten Objekts.
Ihre Aufgabe war, sich - also die Figur - über entsprechende Tasten auf der Computer­tastatur zu manchen Objekten hinzubewegen und von anderen Objekten wegzubewe­gen. Im ersten Experiment wurden Fotos von Alltagsobjekten gezeigt (z.B. Möbelstü­cke oder Fortbewegungsmittel), im zweiten Experiment Fotos von Personen, die ent­weder freundlich oder wütend dreinschauten. Die Versuchspersonen trainierten nun zunächst in einer ersten Phase, sich wiederholt bestimmten Objekten bzw. Personen anzunähern oder aber diese zu vermeiden, bis eine starke Verhaltensgewohnheit ge­formt war. In einer zweiten Phase sollten sie dann genau diese Verhaltensgewohnheit verändern. Anstatt mit Annäherung mussten sie jetzt mit Vermeidung reagieren und umgekehrt.

Das Forscherteam analysierte die Leistung der Versuchspersonen in beiden Phasen des Experiments. Dabei zeigte sich, dass beim Verändern von Gewohnheiten deutlich mehr Fehler gemacht wurden, wenn Annäherungsreaktionen verändert werden sollten. Beim Wechsel von Vermeidungs- zu Annäherungs­reaktionen hingegen unterliefen den Ver­suchspersonen insgesamt weniger Fehler. In der ersten Phase des Gewohnheitser­werbs zeigte sich außerdem, dass selbst nach sehr intensivem Training Annäherungs­reaktionen deutlich schneller gezeigt wurden als Vermeidungsreaktionen. Das For­­scherteam sieht hier eine mögliche Erklärung für die Unterschiede in der Leichtigkeit der Gewohnheitsveränderung: da Annäherungsverhalten offenbar sehr schnell ausge­löst wird, fällt es schwerer, entsprechende Impulse durch gezielte Kontrolle zurückzu­halten.

Christof Kuhbandner zieht insbesondere für soziale Gewohnheiten positive Schlüsse aus seiner Forschung: „Ein bekannter Bibelspruch lautet ja: ,Liebt eure Feinde und tut denen Gutes, die euch hassen'. Genau das wäre ja die Durchbrechung einer Vermei­dungsgewohnheit. Unsere Befunde legen nahe, dass uns eine solche Art der Gewohn­heitsveränderung doch leichter fällt als intuitiv vermutet." Übertragen auf die vorherigen Beispiele zeigen die Ergebnisse außerdem: es scheint tatsächlich schwerer zu sein, ab sofort nicht mehr aus Gewohnheit zum Smartphone zu greifen als endlich den Termin beim Zahnarzt zu vereinbaren. ... Und damit wünschen wir Ihnen einen guten Übergang in das neue Jahr und uns allen ein viel bes­seres Jahr im Vergleich zu 2016!!

Baulinks-Beiträge vom 29.12.2016

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