Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 24.11.2020

KfW-Konjunkturkompass

Deutschland und die Eurozone konnten über den Sommer einen großen Teil des heftigen Konjunkturabsturzes aus dem vergangenen Frühjahr aufholen. In beiden Wirtschaftsräumen liegt das Bruttoinlandsprodukt wieder bei 96% des Niveaus vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie. Infolge der seit Herbstbeginn stark gestiegenen Neuinfizierten-Zahlen und der dadurch notwendigen Einschränkungen ist die Erholung jedoch vorübergehend abgerissen, für das Winterhalbjahr 2020/2021 ist mit einer insgesamt rückläufigen Wirtschaftsentwicklung zu rechnen. Für das Gesamtjahr 2020 erwartet KfW Research einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 5,3%, gefolgt von einem Wachstum von 4,0% im nächsten Jahr. In der Eurozone insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 7,4% schrumpfen. Für 2021 kann mit einem aufholenden Wachstum von 5,1% gerechnet werden.

Angesichts erheblich gestiegener und trotz Teil-Lockdowns weiter sehr hoher Covid-19-Neuinfektionszahlen muss sich Deutschland auch über den November hinaus noch auf spürbare Einschränkungen des öffentlichen Lebens einstellen. Vor allem die kontaktintensiven Dienstleistungsbranchen sind davon stark betroffen. Insgesamt dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2020 deswegen schrumpfen, mit knapp -1% gegenüber dem Vorquartal allerdings weit weniger deutlich als im Frühjahr. Anders als damals federt die Erholung im Verarbeitenden Gewerbe die unvermeidlichen Umsatzeinbrüche in den Dienstleistungsbranchen diesmal weitgehend ab. Bei fortbestehenden spürbaren Einschränkungen und einem unsicherheitsbedingt zunächst wohl eher vorsichtigen Ausgabenverhalten von privaten Haushalten und Unternehmen ist für das erste Quartal 2021 eine nur unvollständige Gegenbewegung des Realwachstums in der Größenordnung von knapp ½ % zu erwarten. Ab dem Frühjahr 2021 dürfte das Wachstum dann aber kräftig anziehen, denn mit den jüngsten Erfolgsmeldungen bei der Entwicklung eines effektiven Impfstoffs gegen den Covid-19-Erreger stehen die Chancen gut, dass demnächst mit Massenimmunisierungen der Bevölkerung begonnen werden kann.

„Ein wirksamer Impfstoff gegen das Coronavirus ist der konjunkturelle Gamechanger, auf den wir warten“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Die konkrete Aussicht auf die Rückkehr des öffentlichen und sozialen Lebens und das absehbare Ende der Covid-19-Pandemie dürfte in Wirtschaft und Gesellschaft einen enormen Vertrauensgewinn bewirken, der für einen temporär sehr kräftigen Wachstumsschub ab dem kommenden Frühjahr sorgt.“

Unter dem Strich erwartet KfW Research für Deutschland 2021 einen Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um 4,0% (preis- und kalenderbereinigt: +4,0%), nach einem Rückgang um 5,3% (preis- und kalenderbereinigt: -5,6 %) in diesem Jahr. Auf Quartalsbasis würde das Vorkrisenniveau des Bruttoinlandsprodukts vom vierten Quartal 2019 damit nach zwei Jahren, also Ende 2021 wieder erreicht.

In der Eurozone dürfte das Konjunkturprofil ähnlich ausfallen wie in Deutschland, allerdings - wie schon im Frühjahr - mit größeren Ausschlägen. „Wir gehen davon aus, dass das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt der Eurozone 2021 um 5,1% zulegen wird, nachdem es 2020 wohl um 7,4% schrumpft. Das Vorkrisenniveau wird die Eurozone als Ganzes damit im kommenden Jahr noch verfehlen“, erläutert Frau Köhler-Geib die Prognose von KfW Research.

Zentrale ökonomische Dauerrisiken

... der letzten Jahre wie die Spannungen in den globalen Handelsbeziehungen und der Brexit sind zuletzt merklich verblasst. Damit bleiben unerwartete Rückschläge bei der Überwindung der Covid-19-Pandemie die nach wie vor größte Gefahr für die Konjunktur. Dies gilt vor allem in der kurzen Frist, solange noch kein effektiver Impfstoff tatsächlich zur Verfügung steht. Sollten die Maßnahmen zur Eindämmung der hohen Neuinfektionszahlen nicht ausreichen oder es nach kurzer Beruhigung im Dezember Anfang nächsten Jahres zu einem erneuten Aufflammen der Infektionen kommen, wäre mit verlängerten, erneut eingeführten und möglicherweise sogar verschärften Lockdown-Maßnahmen zu rechnen. In diesem Fall würde der Rückgang der Wirtschaftsleistung im Winterhalbjahr erheblich kräftiger ausfallen: Wegen des schwachen Jahresstarts würde Deutschland 2021 dann nur um rund 2% wachsen. „Beruhigend ist immerhin, dass die Wirtschaftspolitik noch genügend Pfeile im Köcher hat, um unerwartete konjunkturelle Verschlechterungen effektiv zu bekämpfen. Nach unseren Kalkulationen mussten bisher lediglich gut 11% der insgesamt mehr als 1,4 Bio. EUR umfassenden Mittel aus dem Corona-Schutzschirm und dem Konjunkturprogramm tatsächlich eingesetzt werden“, so Frau Dr. Köhler-Geib.

Spoiler-Alarm: Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 90,7 Punkte gesunken, nach 92,5 Punkten im Oktober. Im Bauhauptgewerbe hat der Index allerdings nur leicht nachgegeben - mehr dazu heute (Dienstag 24.11.) auf Baulinks.de.

Baulinks-Beiträge vom 23. November 2020

Marktdatenbericht „Haus- und Gebäudetechnik 2019 / 2020“ von ISH, VDS, BDH und VdZ
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Auch 2019 hat sich der Wirtschaftsbereich der Haus- und Gebäude­tech­nik positiv entwickelt. Die beteiligten Unternehmen konnten ihre Um­sät­ze größtenteils steigern. Aktuell wirkt sich allerdings die Corona-/COVID-19-Krise doch negativ auf die Nachfrage aus. weiter lesen

61% unseres Trinkwassers werden aus dem Grundwasser gewonnen
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Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Mrd. m³ Wasser für die öffent­liche Wasserversorgung gefördert. Mit dieser Menge ließen sich mehr als 2 Mio. olympische Schwimmbecken füllen. Der Großteil des Wassers ist Grundwasser (3,3 Mrd. m³ bzw. 61%). weiter lesen

Nur 2,4% altersgerechte Wohnungen: IG BAU warnt vor Verschärfung der „grauen Wohnungsnot“
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Die IG BAU beklagt massive Wohnproblemen bei älteren Menschen in der derzeitigen Corona-Pandemie. Ihrer Meinung nach gibt es in Deutschland seit Jahren einen eklatanten Mangel an altersgerechten Wohnungen. weiter lesen

Tarifabschluss fürs Dachdeckerhandwerk mit 12 Nullmonaten
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Bereits am 5. November fand in Wiesbaden die dritte Runde der Lohn- und Gehaltstarifverhandlungen für das Dachdeckerhandwerk statt. Dabei ging die IG BAU wohl weiterhin von einer stabilen Konjunkturlage im Dach­decker­handwerk aus, während der ZVDH auf Auf­trags­rück­gän­ge verwies. weiter lesen

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