Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 08.06.2021

russischer Löwenzahn

Fahrrad, Motorrad, Auto, Bus, LKW oder Traktor - und selbst Flugzeuge: Um mobil zu sein, brauchen diese Fahrzeuge Reifen. Und für Reifen braucht man Naturkautschuk. Denn die Kopie - synthetischer Kautschuk aus Erdöl – kommt an die exzellenten Eigenschaften des natürlichen Vorbildes nicht heran. Darum enthält z.B. ein handelsüblicher LKW-Reifen bis zu 25 kg Naturkautschuk. Bislang wird die Nachfrage nach dem Naturstoff ausschließlich durch den Kautschukbaum Hevea brasiliensis gedeckt, der nur in den Tropen wächst. Somit hängt ein wichtiges Element der Mobilität, wie wir sie heute kennen, weltweit von einer einzigen Pflanze ab!

Naturkautschuk ist ein hochelastisches Biopolymer

Nur sehr wenige andere Gewächse produzieren Kautschuk in vergleichbarer Qualität. Russischer Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz) zählt dazu. Naturkautschuk findet sich hier in der Wurzel. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde mit ihm experimentiert, in der Praxis durchgesetzt hat er sich bislang nicht. Dabei hätte er als Industriepflanze einige Vorteile:
  • Regenwaldschutz in den klassischen Anbauländern des Kautschukbaums wie Indonesien, Malaysia oder Thailand
  • Bereicherung von Fruchtfolgen: Russischer Löwenzahn wächst in unseren Breiten.
  • Mehr Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit: Die Reifenindustrie, aber auch die gesamte Wirtschaft, die ohne Mobilität und Transporte nicht funktioniert, wären weniger abhängig und verwundbar.
Tatsächlich ist der Kautschukbaum Hevea brasilensis ein unsicherer Kandidat. In seinem Ursprungsland Brasilien - das Land war einst Weltmarktführer bei der Naturkautschukproduktion - ist der Baum aufgrund eines verbreiteten Schadpilzes fast nicht mehr in Plantagen anbaubar.


Wurzel des Russischen Löwenzahns (Bild © JKI/Peter Wehling)

Seit gut zehn Jahren gibt es nun wieder Bemühungen, russischen Löwenzahn als reelle Rohstoff-Alternative zu etablieren. Reifenhersteller Continental und Partner aus Agrarwissenschaft, Züchtung, Bioinformatik, Biotechnologie, Gartenbau, Landmaschinenbau und Polymerherstellung entwickeln die pflanzliche Basis und das Anbau- und Extraktionsverfahren. Dabei haben sie schon einige Meilensteine erreicht: In Anklam in Mecklenburg-Vorpommern nahm Continental 2018 sein „Taraxagum Lab“ in Betrieb. Der Reifenproduzent investiert dort 35 Mio. Euro in die Erforschung der Pflanze. Im Erfolgsfall soll die Verwandte unserer „Pusteblume“ binnen zehn Jahren in der Serienproduktion zum Einsatz kommen. Eine erste Fahrradreifen-Kleinserie wurde bereits vorgestellt. Auch die Züchter im Projektteam können Erfolge vorweisen: Sie haben den Kautschukgehalt im Vergleich zur Wildpflanze bereits verdreifacht. Im aktuell laufenden Projekt TAKOWIND III wird die Züchtung fortgesetzt, um Kautschukgehalt und Flächenertrag weiter zu erhöhen.

Von den Ergebnissen profitiert nicht nur die Reifenindustrie, die etwa 70% der weltweiten Naturkautschukproduktion nachfragt. Die restlichen 30 Prozent werden zu verschiedensten Artikeln verarbeitet, zum Beispiel zu medizinischen Produkten, Matratzen oder Gummistiefeln.

Von Beginn an hat der Bund die Arbeiten bei diesem Zukunftsthema unterstützt. PtJ als Projektträger des BMBF und die FNR als Projektträger des BMEL haben insgesamt acht Vorhaben zur Entwicklung der Wertschöpfungskette betreut. Das BMBF förderte Projekte, die von der Grundlagenforschung (z.B. Sequenzierung, Innovative Züchtung) bis zur vorwettbewerblichen, anwendungsorientierten Forschung reichten. Das BMEL fördert vorrangig praxisrelevante Forschung zu verschiedenen Züchtungs- und Anbauaspekten von Kaukasischem Löwenzahn. Ein besonderer Fokus beider Projektträger liegt auf sich ergänzenden, integrierten, ganzheitlichen Lösungswegen, die die gesamte Wertschöpfungs- bzw. Prozesskette in den Blick nehmen.

Auf der digitalen Woche der Umwelt 2021 am 10. und 11. Juni stellen sie gemeinsam ein „Best Of“ der Projekte und Ergebnisse vor.

Baulinks-Beiträge vom 7. Juni 2021

„Ökobilanz und Lebenszyklus - Kostenanalyse beim Nachhaltigen Bauen“ Mitte Juli online
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/1678.php4
Nachhaltiges Bauen ist einer der wichtigsten derzeitigen Trends in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Deshalb veranstaltet das Fraunhofer IRB das Online-Fachseminar „Ökobilanz und Lebenszyklus – Kosten­ana­lyse beim Nachhaltigen Bauen“. weiter lesen

Baustoffhersteller im Klimafokus: Live-Seminar von myclimate am 30.6.
https://www.baulinks.de/webplugin/2021/0885.php4
Am 30. Juni um 14:00 Uhr wollen Experten der gemeinnützigen Non-Profit-Klimaschutzorganisation myclimate darüber aufklären, was Bau­stoff­unter­neh­men bereits heute schon tun können, um Klimaneutralität zu erreichen. Das etwa einstündige Live-Seminar von myclimate ist kostenfrei. weiter lesen

„Rosenheimer Online-Dialog - Montage“ am 30. Juni zur Befestigungs- und Abdichtungstechnik
https://www.baulinks.de/webplugin/2021/0884.php4
Unter dem Leitmotto „Montieren geht (auch) über studieren“ lädt das ift Rosenheim zum ift-Expertentag „Montage“ ein. Er findet aufgrund der Pandemie als reine Online-Veranstaltung mit aktuellen Vorträgen zu relevanten Themen und Publikumsrunden statt. weiter lesen

Digitales Lehrkonzept zu vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF)
https://www.baulinks.de/webplugin/2021/0883.php4
Am 17. Juni präsentiert das FVHF-Architekturforum „Digitale Pers­pek­ti­ven für Studium und Weiterbildung“ ein neues digitales Lehrkonzept zu VHF - und wendet sich damit an Professoren, Lehrbeauftrage und Studenten der Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen. weiter lesen

FVHF gibt Leitlinie zur Qualität und Beurteilung von vorgehängten hinterlüfteten Fassaden heraus
https://www.baulinks.de/webplugin/2021/0882.php4
Wie lässt sich die Qualität einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) beurteilen und welche Toleranzen sind zulässig? Wann ist das Erschei­nungs­bild beeinträchtigt und welche Grenzabweichungen sind vertretbar? weiter lesen

VFF-Merkblatt TOL.01: Toleranzen im Fenster-, Türen- und Fassadenbau
https://www.baulinks.de/webplugin/2021/0881.php4
Der Verband Fenster + Fassade (VFF) hat sein Merkblatt TOL.01 „Tole­ran­zen im Fenster-, Türen- und Fassadenbau“ überarbeitet und in der Version 2021-04 neu veröffentlicht. weiter lesen

Toleranzen im Hochbau - Kommentar zur DIN 18202
https://www.baulinks.de/webplugin/2021/0880.php4
Maßabweichungen und Ungenauigkeiten lassen sich im Bauprozess nicht vermeiden - und sind grundsätzlich in gewissen Grenzen akzep­tiert. Das Handbuch „Toleranzen im Hochbau“ vermittelt Planern, Sach­ver­stän­di­gen und Bauausführenden, wie sie zwischen zulässigen Maß­ab­wei­chun­gen und echten Mängeln unterscheiden können. weiter lesen

Wärmepumpen beliebtester Wärmeerzeuger bei 2020 genehmigten Wohngebäuden
https://www.baulinks.de/webplugin/2021/0879.php4
2020 sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts insgesamt 124.596 neue Wohngebäude genehmigt worden. Davon sollen nach Fertigstellung 55.544 (44,6%) mit Umweltwärme und 10.257 (8,2%) Gebäude mit Erdwärme beheizt werden. weiter lesen

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