Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 01.06.2023

Von rusig nach rosig

Im Rahmen ihrer hoheitlichen Aufgaben erfassen die rund 7.700 Schornsteinfegerbetriebe in Deutschland bestimmte Daten der installierten Wärmerzeuger in ihren Kehrbüchern. Diese geben Aufschluss über die aktuelle Anzahl, Art und das Alter der Anlagen, die verwendeten Brennstoffe sowie über den sicherheitstechnischen Zustand. Daraus lassen sich Antworten auf so brisante Fragen ableiten wie „Haben die überprüften Anlagen die erforderlichen Grenzwerte eingehalten?“ oder „An wie vielen Anlagen wurden Mängel festgestellt?“. Die erhobenen Daten bilden auch hinsichtlich Betriebs- und Brandsicherheit den aktuellen Sicherheitsstandard sowie die Ergebnisse im Immissionsschutz ab und werden an die zuständigen Ministerien weitergeleitet.

Diesen gesammelten Daten zufolge verheizten im Jahr 2022 über 19 Millionen Heizungsanlagen fossile Brennstoffe – rund 6,3 Millionen davon waren im Jahr 2022 über 20 Jahre alt. Fast 14 Millionen nutzten Gas, rund 5 Millionen Öl. Damit verringerte sich zwar die Anzahl der fossil betriebene Heizungen insgesamt leicht um 0,6 %, gleichzeitig stieg jedoch die Anzahl der Brennwertgeräte in beiden Kategorien an. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich der Anteil der Gasbrennwertgeräte um rund 4,3 % auf fast 8 Millionen Anlagen. Auch die Anzahl der Ölbrennwertgeräte stieg im Vorjahresvergleich um 4,5 % auf über 800.000 Anlagen an. Während über die Hälfte der Gasheizungen mit effizienter Brennwerttechnik arbeitet, sind es bei den Ölheizungen lediglich rund 19 %. Das Schornsteinfegerhandwerk deutet die Zunahme als Reaktion vieler Hausbesitzer auf das angekündigte GEG und ein drohendes Verbot von Öl- und Gasheizungen – so zumindest haben viele Eigentümer die Ankündigungen der Politik verstanden. Dazu Verbandsvorstand Markus Burger: „Wie schnell die Wärmewende in deutschen Heizungskellern voranschreitet, wird sich frühestens ab dem Jahr 2025 oder 2026 in den Zahlen des Schornsteinfegerhandwerks ablesen lassen. Dann sehen wir, wie viele fossile Heizsysteme tatsächlich noch in Betrieb sind und wie die Veränderungsraten ausfallen.“

Auch die Schornsteinfeger gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren deutlich weniger Öl- und Gasheizungen neu installiert werden. Nach Meinung des Bundesverbandes dürfte sich die Nachfrage nach Öl- und Gasheizungen auch über die bevorstehende CO2-Bepreisung regulieren. Nach und nach werden viele Hausbesitzer ihre Wärmeversorgung von fossil auf erneuerbar umstellen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und ihre Energiekosten möglichst niedrig zu halten. Die Wärmepumpe allein kann und wird jedoch nicht für jeden Fall das Allheilmittel sein. Vor allem in Bestandsgebäuden wird es keine Standardlösungen geben. Viel hängt vom Effizienz- und Sanierungsstatus des Gebäudes sowie von der Infrastruktur ab. Ist das Gebäude ausreichend gedämmt? Verfügt es über entsprechende Heizflächen, vorzugsweise Fußbodenheizungen? Bestehen Anschlussmöglichkeiten an Strom- bzw. Fernwärmenetze? Der GEG-Entwurf definiert vor allem für den Neubau Wärmepumpen und Elektroheizungen als Standard. Alternativen wie Biomasseanlagen sollen laut aktuellem GEG-Entwurf nur noch in Bestandsgebäuden als erneuerbare Energie angerechnet werden. Das Schornsteinfegerhandwerk bedauert diese Einschränkung und setzt sich für die Nutzung nachhaltiger Biomasse ein, wo sie technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist – auch im Neubau. Diese Option wird gerade diskutiert und könnte mit weiteren Änderungen in das Gesetz aufgenommen werden.

Diese Daten und Einschätzungen zeigen – ganz so schnell, wie es für den Klimaschutz gut und wichtig wäre, wird die Wärmewende in den Heizungskellern nicht vonstatten gehen. Das ist bedauerlich, aber nun mal der Lebenspraxis und den gesellschaftlichen Strukturen geschuldet. Die Eigentümer von Wohn- und Nichtwohngebäuden sind nur dann zu grundlegenden Veränderungen und deren Finanzierung zu bewegen, wenn die Argumente stimmen und genug Geld für entsprechende Investitionen auf dem Konto liegt. Und die staatliche Förderung jenen unter die Arme greift, die es nötig haben. Man kann sich nur wünschen, dass die Zeit der vertanen Chancen nun ein Ende findet und realistische Konzepte bzw. Gesetze in die Wege geleitet werden, die von Lobbyisten und der Gesellschaft nicht immer nur kritisiert und abgelehnt, sondern als sinnvoll und praxisnah bewertet und in der Breite unterstützt werden. Für das in Paris einvernehmlich verabschiedete 1,5-Grad-Ziel sind 19 Millionen Heizungsanlagen, die mit fossilen Brennstoffen beschickt werden, jedenfalls ein hinderliches Erbe. So weitermachen wie bisher treibt uns in keine rosige Zukunft – diesbezüglich ist sich die Wissenschaft mehr einig als die Politik. Man kann sich ja durchaus mal an dem Glücksbringer Schornsteinfeger ein Beispiel nehmen, wie der sein rusiges Geschäftsmodell in ein rosiges umzubauen versteht. Geht doch!

Ihre Claudia Siegele
  

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