Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 14.06.2023

Baulehm aus der Kiesgrube und gehäckselter Chinaschilf machen Platte

Wer als Kind im Matsch spielen durfte, kennt das Gefühl nasser, schwerer Erde an den Händen. Lehm – ein Gemisch aus Ton, Schluff und Sand – begeistert aber nicht nur angehende Bauingenieure beim Bau von Staudammprojekten, Burgen und komplexen Murmelanlagen. Der perfekt formbare und fast überall in der Welt vorkommende Lehmmatsch ist bekanntlich auch für „die Großen“ ein historischer Baustoff, dessen Renaissance in der heutigen hochtechnisierten Bauwelt gerade im Werden ist.

Mittendrin im Matsch steckt Peter Breidenbach, Geschäftsführer eines mittelständischen Lehmbaustoff-Unternehmens im nordrhein-westfälischen Viersen. Er hat nämlich aktuell ein energiesparendes Produktionsverfahren entwickelt, bei dem Platten aus einer speziellen Pflanzen-Lehm-Mischung mittels Sonnenkraft im Gewächshaus trocknen. Er kennt sich aus: „Die besten Testergebnisse im Vergleich zu Stroh, Hanf und Bambus lieferten gehäckselte Miscanthus-Fasern, zu Deutsch: Chinaschilf“, sagt er. Im kleinen Ort Steinforth-Rubbelrath im Rhein-Kreis Neuß traf der auf Lehmbau spezialisierte Entwickler auf ideale Bedingungen für sein neues Vorhaben: zum einen ein brachliegendes Gewächshaus, in dem früher Blumenzwiebeln getrocknet wurden. Zum anderen eine nahegelegene Kiesgrube, bei deren Betrieb Baulehm als Nebenprodukt anfällt, und eine Miscanthus-Anbaufläche – nur 200 Meter entfernt.


Bild: Claytec

Peter Breidenbach will das Bauen nachhaltiger machen: „Mit unserem regionalen Ansatz der kurzen Wege mindern wir den Energieeinsatz ebenso wie den Treibhausgasausstoß, wodurch das Verfahren klimafreundlicher ist als andere.“ Die Pflanzenfasern in der Lehmplatte haben nach seinen Worten sogar einen positiven Effekt, da sie klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre in Form von Kohlenstoff binden. Zudem verbessert sich die Treibhausgasbilanz des Verfahrens durch die passive Trocknung im Gewächshaus. Dort wird die Lehm-Pflanzen-Mischung auf perforierte Formbleche aufgetragen und mechanisch geglättet. In einem 13 Meter langen und mit schwarzer Folie abgedeckten Tunnel trocknen gestapelte Formbleche mit Lehmplatten. Programmierte Roboter sind nach seinen Worten erforderlich, um die 40 Kilogramm schweren Formbleche zu bewegen. Und Industrieventilatoren sorgen für die Umluft. Doch trocken werden die Platten vor allem durch die Gratisleistung der Sonne, die das Gewächshaus aufheizt.

Übliche Verfahren zur Baustoffherstellung sind häufig auf Gasversorgung angewiesen, „müssen jetzt aber wegen der Energiekrise energetisch effizienter werden“, sagt Sabine Djahanschah von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), welches das regionale und klimafreundliche Verfahren fachlich und finanziell mit rund 82.000 Euro gefördert hat. Die Pflanzen-Lehm-Mischung als Baustoff könnte nach den Worten der Leiterin des DBU-Referats Architektur und Bauwesen Aufwind bekommen, denn sie hat ein deutliches Treibhausentlastungspotenzial durch den hohen Pflanzenanteil und die Kreislaufführung.

Das Schonen der Ressourcen sei ein weiterer Vorteil. Und Peter Breidenbach ergänzt: „Die Platten können wiederverwendet oder der Lehm zum Beispiel als Lehmmörtel wiederverwertet werden – ohne Rohstoffverlust.“ Das Verfahren schätzt die Architektin Djahanschah deshalb als energieeffiziente und ökologische Alternative mit Vorbildcharakter ein. Anwendungstests belegten zudem die Praxistauglichkeit der neuen Lehmplatten, denn sie sind wie Gipskartonwände einsetzbar. Eine flexible farbliche Gestaltung bedeute ein zusätzliches Plus beim Hausbau.

Aber – während es beim kindlichen Staudammprojekt immer wieder zu ungewollten Durchbrüchen kommt, sind dieselben bei der im Gewächshaus herangezüchteten Lehmplatten nicht so selbstverständlich: „Das neue Verfahren klingt einfach, beinhaltet aber sehr viel innovative und effizienzsteigernde Entwicklungsleistung“, grübelt Djahanschah. Was wäre dafür eine bessere Unterstützung als die kindliche Fantasie mit ihrer unendlichen Kraft des faktisch Machbaren? Also – auf Ihr Kröten, ab nach Viersen zum Matschen!

Ihre Claudia Siegele
  

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