Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 19.7.2009
Erneute
undurchsichtige Probleme in Krümmel und radioaktive Lauge im Lager
Asse verunsichern selbst Atomkraftbefürworter zunehmend und geben
erneuerbaren Energien Auftrieb. Der Frage, ob und wann wir auf
Atomkraft verzichten und unseren wachsenden Energiebedarf durch
Erneuerbare decken können, wurde auch im ARD-Presseclub am 12.
Juli diskutiert. Dabei wurden einige gängige Argumente vertieft
und teilweise relativiert, aber auch über weniger Bekanntes
gesprochen ... vielleicht auch interessant für Sie:
Bezüglich der angemessenen Konsequenzen aus den Störfällen in
Krümmel gab es einerseits die Forderung nach schnellstmöglichem
Ausstieg aus der Atomkraft und verstärktem Engagement bei der
Weiterentwicklung und Verbreitung von regenerativer Energie.
Andererseits plädierte Michael Rutz vom
Rheinischen Merkur
dafür, zu akzeptieren, dass der steigende Energiebedarf ohne AKWs
nicht zu decken sei. Es sei dann ehrlicher, in eigene, sichere
Atomtechnik zu investieren als letztlich Strom aus unsicheren
ausländischen Kraftwerken importieren zu müssen. Er warnte davor,
dass angesichts des schlechten Images der Atomkraft erst
Nachwuchskräfte und später dann auch Ingenieure mit der
notwendigen technologischen Kompetenz fehlten, die den
langwierigen Ausstieg begleiten können (Auch würden
Wissenschaftler und Ingenieure für Anwendungen in Bereichen wie
Medizin und Werkstofftechnik aussterben). Rust wies auch darauf
hin, dass im Gegensatz zu Deutschland andere Länder, darunter die
USA, wieder verstärkt auf Kernkraft setzten, um die CO2-Belastung
zu verringern. Er gab zu bedenken, dass bei der Produktion von
1 kWh Strom in Frankreich nur 75 g CO2 anfielen, in Deutschland
aber 450g.
Die Gegenposition zu dieser Argumentation nahm vor allem der
Publizist und Leiter Politik und Presse bei der
Deutschen Umwelthilfe,
Gerd Rosenkranz ein. Es gäbe zwar eine "Renaissance der
Ankündigungen", nicht aber eine Renaissance der tatsächlich
gebauten AKWs. Während der Ära Busch seien 300 neue AKWs
angekündigt worden, aber nur eines - und das mit Baubeginn 1972!!
- würde jetzt fertig gebaut und in ganz Westeuropa entstünden
derzeit 2 neue Kraftwerke - deren Planung offensichtlich vor
Tschernobyl begann! Und weil die Anfangsinvestitionen einfach zu
hoch seien, wären alle Unternehmen in den Ratings herunter gestuft
worden, die angeben, in den Bau von Atomkraftwerken einsteigen zu
wollen.
Auch das Argument, Atomkraft sei zur Versorgungssicherheit
nötig, sei wenig überzeugend, wenn man bedenke, dass die
Schnellabschaltung von Krümmel für ein Blackout in Gorleben
gesorgt habe. Atomkraftwerke könnten aus Sicherheitsgründen eben
nicht flexibel rauf- und runtergefahren werden und seien damit
auch nicht geeignet, Leistungsschwankungen bei Wind- und
Solarkraftwerken auszugleichen. Vorübergehend müssten das
Gaskraftwerke übernehmen, aber mit Projekten wie
Dersertec
könne in einem überschaubaren Zeitraum eine Komplettversorgung mit
erneuerbaren Energien erreicht werden. Allerdings müssten dazu
bessere Speicher entwickelt und Widerstände von Naturschützern
gegen die Errichtung des notwendigen Gleichstrom-Leitungsnetzes
überwunden werden. Rosenkranz war sich mit anderen Teilnehmern
aber einig, dass Solarstromgewinnung in der Sahara zur Versorgung
von Europa nur erfolgreich sein kann, wenn davon zunächst
afrikanische Metropolen profitieren und erst an zweiter Stelle
Europa. Dann könne ein solches Projekt eine Form von aktiver
Friedenspolitik sein, bräuchte aber eine längere Vorbereitungszeit
als die rein technisch nötigen 10 Jahre.
Auf den Einwand, dass für die Übergangszeit lieber sichere
Atomkraft genutzt werden sollte als auf Kohle- oder Gaskraftwerke
zu bauen, stellte Rosenkranz die These auf, dass die Zeit der
friedlichen Koexistenz zwischen Atomkraft und erneuerbaren
Energien zu Ende gehe. Er begründete diese damit, dass AKWs
Grundlast fahren müssten und wirtschaftlich nur dann betrieben
werden könnten, wenn der Anteil der Regenerativen nicht zu groß
sei. Als Grenzwert hätten
EDF ein Viertel
und
E.ON ein Drittel angegeben,
als die britische Regierung nach dem sinnvollen Mix gefragt habe,
weil sie wieder in Atomkraft investieren will. Angesichts dessen,
dass ein Anteil von einem Drittel in Deutschland bis 2020 Realität
sein soll, wären danach Atomkraft und erneuerbare Energien direkte
Konkurrenten.
In der vergangenen Woche meldete dann noch die
Deutsche Umwelthilfe
folgendes: Deutsche Haushalte müssen statistisch umso mehr für
ihren Strom bezahlen, je größer der Atomstromanteil im Strommix
ihres Versorgers ist. Das ist das überraschende Ergebnis eines
repräsentativen Preisvergleichs von über hundert Stromtarifen im
ganzen Bundesgebiet. Dabei gilt der Anstieg des Strompreises mit
dem Atomstromanteil gleichermaßen für Jahresstromverbräuche der
Haushalte von 1.000, 3.000 oder 5.000 Kilowattstunden (kWh).
"Unser Preisvergleich widerlegt die von den
Atomkraftwerksbetreibern und ihren Lautsprechern in der Politik
ständig wiederholte Behauptung, Atomstrom sei für die Kunden
billiger, als Propagandalüge", sagte der Bundesgeschäftsführer der
Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH), Rainer Baake.
Gleichzeitig belegt die Untersuchung, dass Ökostrom in
Deutschland keineswegs mehr systematisch teurer ist als Atom- oder
klimaschädlicher Kohlestrom. Bei einem Verbrauch von 1.000 kWh pro
Jahr (entspricht etwa dem Verbrauch von Single-Haushalten) steigt
der Preis mit dem Anteil erneuerbarer Energien aus Wind, Wasser,
Sonne und Biomasse leicht an, bei Verbräuchen von 3.000 oder 5.000
kWh (kleinere und größere Familienhaushalte) sinkt er jedoch. Mit
dem Anteil an fossilen Energieträgern im Strommix sinkt der Preis
in allen drei Verbrauchsklassen noch leicht. Dies könne sich
jedoch wegen der in den nächsten Jahren tendenziell wachsenden
Kosten für die CO2-Verschmutzungsrechte schnell ändern, erklärte
Baake.
Ach Ja: Regelmäßig erhalte ich nach solchen Editorials
Leserbriefe, die mir einen unsachlichen Umgang mit der
CO2-Problematik vorwerfen - zumal "nun leider auch die Amerikaner
den Widerstand gegen den Jahrhundert-Blödsinn aufgegeben haben,
der bestenfalls Al Gore noch reicher macht und die grünen Parteien
mächtiger" und das "CO2, das wir emittieren, ohnehin nur im
Promille-Bereich des natürlich vorhandenen CO2 liegt". Ich bin
bestimmt kein Klimafachmann, aber eines weiß ich sicher: Öl und
Gas und sogar Kohle sowie Uran sind endlich und darum viel zu
schade, verbrannt zu werden.
Ich hoffe, Sie haben jetzt noch Lust auf die eigentlichen
Themen des Bauletters - immerhin geht es hier auch:
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Erholung der europäischen Bauwirtschaft nicht vor 2011
Der
dramatische Nachfrageeinbruch im Hochbau wird im laufenden Jahr voraussichtlich
zu einer Schrumpfung des gesamten europäischen Bauvolumens von rund 7½ Prozent
(in Preisen von 2008) führen. Diese Prognose wurde bei der letzten
Euroconstruct-Konferenz,
am 5. Juni 2009 in Warschau, vorgestellt.
(www.baulinks.de/webplugin/2009/1217.php4 - Web-Code: 1217)
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Sanieren: Was es kostet, wie viel der Staat dazugibt und wann
es sich rechnet
Wer seinen Altbau energieeffizient sanieren möchte, profitiert
derzeit von niedrigen Zinsen und besonders attraktiven
staatlichen Förderungen. Von der Energieberatung über den
Einsatz erneuerbarer Energien bis hin zur Komplettsanierung -
die Fördermöglichkeiten für energetisch sinnvolle
Modernisierungen sind zahlreich.
(www.baulinks.de/webplugin/2009/1216.php4 - Web-Code: 1216)
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Buchvorstellung: EnEV-Novelle 2009 und neue
Heizkostenverordnung
Im Rudolf Haufe Verlag ist ein Rechtsratgeber erschienen, der
als einer der ersten über alle neuen Vorschriften informiert. "EnEV-Novelle
2009 und neue Heizkostenverordnung" zeigt die Änderungen beim
Energieausweis und die Auswirkungen der
Nachrüstungsverpflichtungen für Gebäudeeigentümer auf neue
Wohngebäude und auf Altbauten.
(www.baulinks.de/webplugin/2009/1215.php4 - Web-Code: 1215)
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Ytong Silka Herbstforum: EnEV 2009 für die Praxis
Xella gibt mit dem Ytong Silka Herbstforum 2009 den Startschuss zu
einem umfassenden Schulungsprogramm für Architekten, Planer,
Ingenieure, Bauunternehmen und Bauträger bis hin zum
Baustoff-Fachhandel, in dessen Fokus die praktische Umsetzung
der neuen EnEV-Anforderungen steht.
(www.baulinks.de/webplugin/2009/1214.php4 - Web-Code: 1214)
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BUILD UP: Neue EU Plattform zur Energieeffizienz in Gebäuden
Das neue, englischsprachige Webportal "BUILD UP" für den
europaweiten Austausch von Informationen über
Energieeinsparung von Gebäuden ist jetzt online. Die Themen
reichen von Best-Practice-Beispielen zur
Energieverbrauchssenkung bis zu Informationen über
Rechtsvorschriften.
(www.baulinks.de/webplugin/2009/1213.php4 - Web-Code: 1213)
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SGBDD führt Eigenmarke NOVIPro ein
Mit der Eigenmarke "NOVIPro" für das Geschäftsfeld LBM (Light
Building Materials) kommt die
Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH (SGBDD) im Juli
auf den Markt.
(www.baulinks.de/webplugin/2009/1212.php4 - Web-Code: 1212)
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Herbsttermine des Expertenseminars von Zehnder, Oventrop und
Wilo stehen fest
Die neuen Termine der erfolgreichen Seminar-Reihe "Thermische
Behaglichkeit und Energieeffizienz für Gebäude" für das 2. Halbjahr 2009
stehen fest. Das Seminar richtet sich an Fachplaner und Architekten und
ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von
Zehnder,
Oventrop,
Wilo sowie
Zehnder Comfosystems.
(www.baulinks.de/webplugin/2009/1211.php4 - Web-Code: 1211) |
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