Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 16.9.2017

Baumaschinen als „Stadtluft-Verpester“

Ein altes Diesel-Problem kocht wieder hoch: Dieselruß, der auf Baustellen für ein Ge­sundheitsrisiko verantwortlich ist. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat jetzt kurz vor der Bundestagswahl die Rußpartikel-Emission von Bauma­schi­nen als „massives Arbeitsplatz- und unterschätztes Umweltproblem“ bezeichnet. IG BAU-Vize Dietmar Schäfers forderte am 12. September ein Verbot von Baumaschinen ohne Rußpartikelfilter: „Vom Bagger über den Radlader bis zur Walze – für neue Ma­schi­nen muss eine Rußpartikelfilter-Pflicht eingeführt werden. Zudem müssen vorhan­dene Baumaschinen innerhalb einer angemessenen Übergangsfrist nachgerüstet wer­den. Der massive Rußpartikel-Ausstoß auf Baustellen ist ein enormes Defizit im Ar­beitsschutz.“ Die künftige Bundesregierung müsse dieses „drängende Problem umge­hend anpacken“, verlangte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Bau- und Um­weltgewerkschaft.

Anders als beim fahrenden Verkehr stünden Baumaschinen meistens längere Zeit am gleichen Ort – beispielsweise auf Baustellen in ohnehin belasteten Innenstädten. Dies führe dort zu einer hohen Konzentration von Rußpartikeln. „Neben den Arbeitern auf Baustellen sind damit auch Anwohner von einer hohen Schadstoffbelastung durch Ruß­partikel betroffen. Trotzdem hat die Politik um Baumaschinen als ‚Stadtluft-Verpester‘ – gewollt oder ungewollt – bislang einen Bogen gemacht“, sagte Dietmar Schäfers. Bei Diesel-Pkw seien Rußpartikel-Filter schon seit zehn Jahren Pflicht. Wer jetzt über Die­sel-Fahrverbote für Pkw in Innenstädten nachdenke, der könne den – um ein Vielfa­ches höheren – Schadstoffausstoß einer Dieselmotor-Baumaschine allerdings un­mög­lich länger ignorieren.

Schäfers sprach von einem „enormen Gesundheitsrisiko“, dem Bauarbeiter durch – überwiegend mit Dieselmotoren betriebenen – Maschinen auf dem Bau ausgesetzt sei­en. „Sie haben ein doppelt so hohes Risiko, an Lungenkrankheiten – insbesondere der chronischen Bronchitis – zu erkranken. Und vor allem: Dieselruß gilt als krebs­er­re­gend“, warnte Schäfers. Rußpartikel-Emissionen, die auf Baustellen gemessen würden, hätten zudem einen enormen Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen – wie den Herzinfarkt. Auch der Gehirnschlag trete überdurchschnittlich oft auf. „Bauarbeiter stehen ständig im ‚Dieselabgas-Dunst‘. Sie haben gar keine andere Chance. Es kann und darf hier nur eine Lösung geben: die Filter-Pflicht. Filter nehmen nahezu komplett die Rußpartikel raus – die Emissionen gehen gegen Null “, stellte IG BAU-Vize Dietmar Schäfers fest.

Dass eine Rußpartikelfilter-Pflicht funktioniere, habe die Schweiz vorgemacht: „Sie gilt dort auf sämtlichen Baustellen. In Deutschland sind Bauunternehmen lediglich in Berlin und Bremen verpflichtet, saubere Geräte einzusetzen – aber auch nur, wenn sie auf ei­ner öffentlichen Baustelle arbeiten. Und in Baden-Württemberg gibt es eine Handvoll Kommunen, darunter Stuttgart, Tübingen und Reutlingen, in denen eine generelle Pflicht für Baumaschinen mit Rußpartikelfilter besteht – auf öffentlichen und privaten Baustellen. Also genau das, was wir bundesweit fordern“, so Schäfers.

Der Versuch, Bauunternehmen in Deutschland über Appelle und Anreize zum freiwil­li­gen Nachrüsten von Altmaschinen und zum Neukauf von Baumaschinen mit Filtern zu bewegen, sei auf eine nur zurückhaltende Resonanz gestoßen. Unternehmen, die bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) versichert sind, bekämen schon heute für den nachträglichen Einbau von Partikelfiltern in Baumaschinen 50% der An­schaffungskosten (maximal 2.000 Euro) erstattet. Dafür habe sich die IG BAU stark gemacht. „Es wird aber deutlich, dass es ohne eine klare Rußpartikelfilter-Pflicht nicht geht. Dies muss der Staat allerdings flankieren – mit einer Nachrüstprämie und mit di­rek­ten Zuschüssen für die Neuanschaffung sauberer Baumaschinen“, forderte Schäfers.

Effektiver Arbeitsschutz sei keine „Zugabe zum Job vom Chef“, sondern essentiell für jeden Arbeitsplatz. Dies müsse der Staat grundsätzlich im Blick haben. „Es ist daher wichtig, bei der Bundestagswahl die Parteien stark zu machen, die die Interessen der Beschäftigten in Deutschland vertreten. Und dazu gehört auch der Arbeitsschutz“, resümierte Dietmar Schäfers.

Der Vize-Chef der Umweltgewerkschaft warnte zudem davor, „Politikern auf den Leim zu gehen, die sich mit irren Ansichten zur Erderwärmung im Trump-Stil“ äußerten: „Wer gegen die von Forschern ausgemachten Fakten zum Klimawandel agitiert, dem wird am Ende auch die Luftverschmutzung an Arbeitsplätzen und in unseren Städten egal sein.“

Baulinks-Beiträge vom 15. und 16. September 2017

Professor Albert Speer im Alter von 83 Jahren gestorben
https://www.baulinks.de/btw/2017/0004.php4
Professor Albert Speer starb in Folge eines Sturzes am Freitagnachmit­tag (15. September) im Alter von 83 Jahren in Frankfurt. weiter lesen

Gewerbebau à la Freyler in Freiburgs Null-Emissions-Gewerbegebiet
https://www.baulinks.de/webplugin/2017/1468.php4
Peter Wien ist Freiburger durch und durch. Die Standortentscheidung für seine neue Firmenzentrale war daher schnell getroffen. Im Vorzeige-Ge­werbegebiet Haid-Süd steht das neue Gebäude der Firma Schaub, ein XXL-Sanitätshaus. weiter lesen

Modular gebaut, auf flexible Langfristigkeit ausgelegt: Neue Zentrale des Caritasverbands in Speyer
https://www.baulinks.de/webplugin/2017/1467.php4
„Fliegende“ Raummodule, die per Kran aufeinandergestapelt werden: Für gewo Wohnen, die 2016 für den Caritasverband der Diözese Speyer ein modernes Büro- und Verwaltungsgebäude in Modulbauweise reali­siert hat, ist dies ein vertrautes Bild. weiter lesen

Satellitensteuerung aus u.a. dreiunddreißig 14 Meter langen Raummodulen
https://www.baulinks.de/webplugin/2017/1466.php4
EUMETSAT ist aktuell für den Betrieb von 7 Satelliten verantwortlich. Rund 300 EUMETSAT-Mitarbeiter sowie eine vergleichbare Anzahl an externen Mitarbeitern koordinieren von Darmstadt aus die Wetter­be­ob­achtung aus dem All. weiter lesen

Megatrend „Mobile Immobilien“
https://www.baulinks.de/webplugin/2017/1465.php4
Matthias Horx erwartet, dass die Akteure der Immobilienbranche, der Stadtplanung und der Design-Büros werden lernen müssen, zyklischer und dynamischer zu denken, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wol­len: „Denn Flexibilität des Wohnens ist keine Frage der Funktionalität, son­dern eine Frage der Vorstellungskraft.“ weiter lesen

Impressum | Datenschutz © 1997-2018 ARCHmatic - Alfons Oebbeke (Google+, XING, linkedin)
ANZEIGE