Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 3.1.2020

Mehr erneuerbare als fossile Stromerzeugung

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben die Jah­resauswertung zur Stromerzeugung in Deutschland für 2019 vorgelegt. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung - also an dem „Strommix“, der tatsächlich aus der Steckdose kommt - hat sich von 40,6% auf 46% erhöht. Damit lie­gen die Erneuerbaren erstmals in der Summe vor den fossilen Energieträgern (40%). Danach verzeichnete die Windkraft mit 17,3 TWh den größten Zuwachs und die Braun­kohle mit -29,3 TWh die stärksten Verluste.


Nettostromerzeugung aus Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung (Strommix). Die Erzeugung aus Kraftwerken von „Betrieben im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden“ - d.h. die industrielle Erzeugung für den Eigenverbrauch - ist bei dieser Darstellung nicht berücksichtigt. (Grafik © Fraunhofer ISE)
  
Die deutschen Photovoltaikanlagen speisten 2019 etwa 46,5 TWh ins öffentliche Netz ein, das war 1,7% mehr als im Vorjahr. Der Zubau von 3,3 Gigawatt (GW) erhöh­te die installierte Leistung auf ca. 48.6 GW (Stand Ende Oktober). Die maximale Solar­leistung wurde am 19. April 2019 um 13 Uhr mit etwa 33 GW erreicht, das waren 48% der gesamten Stromerzeugung zu diesem Zeitpunkt. Von März bis September 2019 war die monatliche Stromerzeugung von PV-Anlagen höher als die von Steinkohle­kraft­werken.

Windkraft stärkste Energiequelle

Die Windkraft produzierte 2019 ca. 127 TWh (ein Plus von 15,7%) und war damit erstmals die stärkste Energiequelle in Deutschland. In acht Monaten übertraf die Windstromproduktion die Erzeugung aus Braunkohle und in allen zwölf Monaten lag die Windenergie vor der Kernenergie. Die maximal erzeugte Leistung betrug ca. 46 GW am 15. März 2019 um 19 Uhr. Der Anteil der Onshore-Windstromproduktion betrug 102,6 TWh. Offshore wurden 24,4 TWh erzeugt - nach 19,1 TWh im Jahr 2018. Der Zubau von Wind onshore ist stark eingebrochen: nur 660 MW gingen bis Ende Oktober 2019 neu ans Netz. Ende Oktober 2019 lag die installierte Leistung von onshore Wind bei 53,1 GW und von offshore Wind bei 7,6 GW.

Gemeinsam produzierten Wind- und Solarenergieanlagen 2019 ca. 173 TWh Strom. Das Verhältnis zwischen Solar- und Windenergieanlagen ist weiterhin unausgewogen: Ende 2019 fehlten über 15 GW installierter Solarleistung zu einem optimalen Ver­häl­tnis Wind- Solar.

Die Wasserkraft erlebte unter den erneuerbaren Energien prozentual(!) den stärks­ten Anstieg (21,2%) und trug 19,2 TWh zur Stromerzeugung bei. Die Biomasse lag mit 44 TWh leicht unter dem Wert des Vorjahres.

In Summe produzierten die erneuerbaren Energiequellen im Jahr 2019 ca. 237 TWh Strom (plus 7% gegenüber 2018) und lagen damit vor den fossilen Energiequellen (207 TWh).

Die Nettostromerzeugung aus Kernkraft lag mit 71,1 TWh leicht unter dem Niveau des Vorjahres. Damit gingen die nicht-erneuerbaren Energiequellen um 14% zurück.

Rückgang der Kohlestromerzeugung

Einen starken Einbruch verzeichnete die Braunkohle: Hier sank die Nettostrom­pro­duk­tion um 29,3 TWh bzw. 22,3% auf 102,2 TWh. Die Nettostromproduktion aus Stein­koh­le sank um 23,7 TWh bzw. 32,8% auf 48,7 TWh. Für diese starken Rückgänge sind mehrere Faktoren verantwortlich:
  1. Die Stromerzeugung aus Windenergie ist deutlich angestiegen, wodurch die Kohlestromproduktion gedrosselt werden musste.
  2. Die CO₂-Zertifikate sind deutlich teurer geworden: der durchschnittliche CO₂-Zertifikatspreis stieg von 15,79 Euro/Tonne 2018 auf 24,80 Euro/Tonne 2019.
Weil durch die hohe erneuerbare Produktion die Börsenstrompreise niedrig waren, wurde der Abstand zwischen CO₂-Preis und Börsenstrompreis sehr klein, womit die Marge bei der Kohle sank. Der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead-Strompreis sank um 15 Prozent auf 36,64 Euro/MWh (2018: 43,26 Euro/MWh).

Da 1 MWh Braunkohlestrom ca. 1 Tonne CO₂-Emissionen verursacht, arbeiten Braun­kohle­kraft­werke nicht mehr rentabel, wenn der CO₂-Preis in Euro/Tonne so hoch wie der Börsenstrompreis in Euro/MWh ist. Auch die um 9,5% verringerte Last hat zum niedrigen Börsenstrompreis und damit verschlechterten Marktbedingungen für die Braunkohle beigetragen.

Ein weiterer Grund waren die sehr niedrigen Gaspreise. Da die Stromerzeugung aus Gas deutlich weniger CO₂-Emissionen als die Erzeugung aus Braunkohle hat, werden auch weniger CO₂-Zertifikate benötigt. Die Kosten für Gas und CO₂-Zertifikate für die Emissionen des Gaskraftwerks lagen damit zeitweise unter den reinen CO₂-Zerti­fikats­kos­ten des Braunkohlekraftwerks. Trotz Brennstoffkosten von Null konnten die Braun­kohle­kraft­werke nicht mehr konkurrieren, und es kam insbesondere in den Monaten März, Juni und Dezember zu einem Brennstoffwechsel(„fuel switch“) von Braunkohle zu Gas. Gaskraftwerke steigerten ihre Nettostromproduktion um 21,4% auf 54,1 TWh. Das war nicht nur ein nationaler Effekt: Für unsere Nachbarländer war es aufgrund der hohen CO₂-Preise günstiger, mit den eigenen Gaskraftwerken Strom zu erzeugen, als Braunkohlestrom in Deutschland zu kaufen.

Exportüberschuss geht zurück

Deshalb gingen auch die Stromexporte deutlich zurück: Der Exportüberschuss (phy­si­ka­lische Flüsse) sank 2019 von 48 auf 30 TWh. Der wichtigste Abnehmer war Öster­reich (11,7 TWh) vor Polen (10 TWh), das einen Teil des Stromes aus den neuen Bundesländern über Tschechien nach Süddeutschland transportierte. In die Schweiz flossen 6,5 TWh, die hauptsächlich nach Italien weitergeleitet wurden.

Deutschland importierte 11,9 TWh Strom aus Frankreich, der aber hauptsächlich an die Nachbarländer weitergeleitet wurde. Die durchschnittlich exportierte Leistung betrug 3,4 GW, was der Leistung von ca. 3 Kernkraftwerken entspricht. An 6310 Stunden des Jahres (72 Prozent der Zeit) wurde Strom exportiert, an 2450 Stunden wurde Strom importiert. Beim Außenhandel mit Strom ergibt sich bis Ende Oktober ein Exportüberschuss von 24,2 TWh und Einnahmen im Wert von 1,2 Mrd. Euro. Eingeführter Strom kostete durchschnittlich 45,08 Euro/MWh, ausgeführter Strom 46,99 Euro/MWh.

Baulinks-Beiträge vom 2. Januar 2020

BSW-Solar: Deutscher PV-Markt wuchs 2019 voraussichtlich um 30%
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/0012.php4
Die Nachfrage nach Solarstromanlagen zog 2019 nach einer ersten Bilanz des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) um rund 30% an. Aber: „Wir freuen uns über die Marktbelebung, können aber noch nicht zufrieden sein,“ heißt es beim BSW. weiter lesen

Bundesrat möchte Betriebsverbot für Ölheizungen ausweiten
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/0011.php4
Der Bundesrat möchte das Betriebsverbot für Ölheizungen ausweiten. So soll es auch für Heizkessel gelten, die mit festen fossilen Brenn­stof­fen beschickt werden. Andererseits soll sich der Wärmesektor für syn­the­tische Energieträger öffnen. weiter lesen

MAP-Update: Austauschprämie für Ölheizungen (bis zu 45%) und andere alte „Schätzchen“
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/0010.php4
Der Austausch einer alten Ölheizung gegen eine neue Heizung wird jetzt mit einer hohen Austauschprämie gefördert. Die novellierte Richt­linie des Marktanreizprogramms „Wärme aus erneuerbaren Energien“ sieht darüber hinaus weitere Verbesserungen vor. weiter lesen

Pelletpreis zum Jahresende 2019 etwas gestiegen
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/0009.php4
Der Preis für Holzpellets ist im letzten Monat des Jahres 2019 - wie auch in den Vorjahren - witterungsbedingt leicht gestiegen, und zwar um 1,3% im Vergleich zum Vormonat. Gegenüber dem Dezember 2018 war allerdings ein Preisrückgang von 1,3% zu beobachten. weiter lesen

Solarwirtschaft erwartet Nachfragesprung bei Solarthermie
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/0008.php4
Die Anreize für Verbraucher, in Solarthermieanlagen zu investieren, haben sich mit dem Jahreswechsel durch jüngste Beschlüsse der Bun­des­regierung verbessert. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) rechnet darum mit einem spürbaren Anziehen der Nachfrage. weiter lesen

20 Jahre Marktanreizprogramm (MAP) für Wärme aus erneuerbaren Energien
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/0007.php4
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert mit dem Marktanreizprogramm (MAP) seit 1999 Wärmetechnik in Ver­bin­dung mit erneuerbaren Energien. 2019 sind laut BAFA die meisten Anträge zur Wärmepumpe eingegangen. weiter lesen

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