Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 05.04.2020

Holzenergie klimaschädlicher als Öl und Gas?

Nach der Veröffentlichung des Beitrags „Klimaschutz auf dem Holzweg“ im ZDF-Fern­seh­ma­gazin Frontal 21 am 31.März (siehe ZDF-Mediathek) üben der Fachverband Holzenergie im BBE (FVH) und der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e. V. (DeSH) scharfe Kritik. Gemeinsam bemängeln die Verbände die einseitige Darstellung der energetischen Holzverwertung und monieren die damit einhergehende „Verunglimpfung“ ihrer Branchen, die mit der Holznutzung in modernen Anlagen zu Energiewende und Klimaschutz beitragen.

„Zum wiederholten Male lässt das ZDF mit dem gestrigen Beitrag eine verzerrte Berichterstattung zu, die es nicht schafft, den Zuschauenden eine sachlich-informative Grundlage zum Thema zu bieten“, kritisiert FVH-Geschäftsführer Matthias Held. „Es ist schlichtweg eine einseitige und in weiten Teilen falsche Darstellung der Sachlage, getragen von fragwürdigen Interviewpartnern“, so Held. Weiterhin betonen die Ver­bän­de, dass mit der Sendung ihre Branchen ungerechtfertigt diskreditiert würden. „Mit der energetischen Holznutzung leisten unsere Branchen einen zentralen Beitrag zum Errei­chen der Klimaziele und dem Gelingen der Energiewende“, betont auch Julia Möbus, Leiterin Politik und Kommunikation des DeSH. „Der Film von Frontal 21 verdreht und unterschlägt an vielen Stellen einfach die Fakten“, kritisiert sie.

So wurde in der ZDF-Sendung beispielsweise behauptet, dass die Holzverbrennung nicht CO2 neutral und Gas ein klimafreundlicher Brennstoff sei. Bei der Verbrennung von Holz wird aber nur das CO2 freigesetzt, das der Baum zuvor auf­ge­nom­men hat. Im Ansatz der nachhaltigen deutschen Forstwirtschaft werde durch den Zuwachs in den Wäldern bereits in der Verbrennungssekunde das freigesetzte CO2 wieder auf­ge­nom­men, argumetieren FVH und DeSH. Lediglich die Emissionen für Ernte und Logistik kämen hinzu.Im Vergleich dazu sei die Gewinnung von Erdgas oder anderen fossilen Energieträgern wesentlich aufwändiger und mit deutlich höheren Emissionen ver­bun­den. Ferner stellten einschlägige wissenschaftliche Studien wie etwa von der Uni­ver­si­tät Stuttgart fest, dass ein Erdgas-Brennwertkessel das Zehnfache an CO2-Emissionen verursacht wie ein Holzheizkessel.

Zur CO2-Neutralität der energetischen Holznutzung sei auch festzuhalten, dass in deutschen Wäldern eine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben werde. Übersetzt heiße das, es dürfe maximal nur so viel Holz entnommen werden wie nachwächst. In bewirt­schafteten Wäldern werde an gleicher Stelle ein neuer Baum nachwachsen, der wiederum Kohlenstoff speichert.

Sowohl die Bundeswaldinventur als auch die jüngst veröffentlichte Studie der Wis­sen­schaft­lichen Beiräte für Waldpolitik und Biodiversität kommen zu dem Schluss, dass nicht nur die Holzvorräte zunehmen. Sie bestätigen auch, dass sich größere Wirkungen auf Klimaschutz und Biodiversität entfalten, wenn die bestehenden Konzepte die Wald­be­wirt­schaf­tung mit ökologischen Trittsteinen, Habitatbäumen und Totholz verbinden, als wenn die im Film propagierte Nichtnutzung zum Tragen käme. Insgesamt zeige sich hier also ein klarer Gegensatz zu der in der Sendung nahegelegten Übernutzung der Wälder.

In dem Beitrag von Frontal 21 fehle außerdem ein Blick auf die Zusammensetzung der Holzsortimente, die tatsächlich in die energetische Nutzung in Deutschland gehen, kritisieren FVH und DeSH. Stattdessen werde behauptet, dass jedes Jahr die Hälfte des Holzes aus dem deutschen Wald staatlich gefördert in die Verbrennung ginge. Dies sei unter keinen Umständen der Fall, widersprechen FVH und DeSH klar. Der Großteil der Hölzer, die energetisch genutzt werden, stammen demnach aus Rest- und Abfall­stof­fen: es werde Holz eingesetzt, das beispielsweise ein Leben als Möbelstück oder Palette bereits hinter sich hat oder auch Reststoffe, die bei der Holzverarbeitung oder im Wald anfallen.

Anhand dieser wenigen Beispiele zeigt sich aus Sicht von FVH und DeSH bereits ein­deu­tig die Schieflage der informativen Basis, auf der die vermeintliche Dokumentation gebaut ist. Von einer sachlichen Berichterstattung ist dieser ZDF-Beitrag abermals weit entfernt, zumal auf jegliche Gegendarbietung verzichtet wurde. Der FVH und der DeSH stehen im Namen der Branchen als Ansprechpartner bereit und sind einem kon­struk­tiven Austausch gegenüber stets offen. Ziel der Verbände ist es, die Klima­schutz­leis­tung der Holzenergie kontinuierlich auszubauen, die Nachhaltigkeit weiter zu steigern und – vor allem im ländlichen Raum – weiterhin einen essenziellen Beitrag zur Energiewende zu erbringen.

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