Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 21.09.2020

ZIA Herbstgutachten 2020: Innenstädte in Gefahr

Die Innenstädte in Deutschland sind infolge der Corona-Krise in großer Gefahr, ihre Attraktivität zu verlieren. Förderkonzepte müssen in Zukunft viel treffsicherer sein. Krisengewinner, wie beispielsweise der Onlinehandel, sollten nicht unnötigerweise subventioniert werden. Trotz aller politischer Maßnahmen sind viele Unternehmen nachhaltig in ihrer Existenz bedroht. Das betrifft den stationären Einzelhandel in den Innenstädten ebenso wie die Hotellerie - dies sind Ergebnisse aus dem Herbst­gut­achten 2020 des Rates der Immobilienweisen, der im Auftrag des Zen­tra­len Immo­bi­lien Ausschusses ZIA, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, die Auswirkungen der Corona-Krise auf die verschiedenen Nutzungsarten untersucht hat.

„Die Lebendigkeit der Innenstädte ist bedroht - es sind die wegbrechenden kleinen Einzelnutzer in Fußgängerzonen und Handelszentren, die fehlen werden“, sagt ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner. „Wenn wir hier jetzt nicht gegensteuern, fährt der stationäre Einzelhandel gegen die Wand. Bereits zum heutigen Zeitpunkt zeichnet sich ab: es wird Zahnlücken in den deutschen Fußgängerzonen und Handelszentren geben - das ganze Ausmaß werden wir erst im Laufe des kommenden Jahres spüren. Wir müssen ergebnisoffen über neue Wege und Konzepte der Innenstadtgestaltung und Immobiliennutzung nachdenken. Es ist gemeinsame Aufgabe aller Akteure der Stadt­gesellschaft, die Lücken zu füllen - wie etwa beim Konzept des Business Improvment District.“ Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Institute und Autor des Einzelhandelsimmobilienkapitels, ergänzt: „Während die Nahversorgungsstandorte florieren, müssen zur Rettung selbst der Innenstädte Veränderungen durch schnellere und pragmatischere Genehmigungsverfahren für den Umbau möglich werden.“

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Einem guten Start in das Jahr 2020 zum Trotz wurde die deutsche Volkswirtschaft durch die Corona-Pandemie und die seit Mitte März erfolgten Einschränkungen zur Eindämmung der Infektionen stark beeinträchtigt und in die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg geführt. Die schnellen politischen Reaktionen zur Bewältigung der Krise konnten eine unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland - im Gegensatz zu anderen Ländern - verhindern und waren zudem hilfreich, um die wirt­schaft­lichen Auswirkungen abzufedern. Dies umfasst neben Steuerstundungen und Kurzarbeit etwa die temporäre Mehrwertsteuersenkung, weil sie geeignet ist, die Realwirtschaft positiv zu beeinflussen.

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt ist aufgrund von langjährig festgeschriebenen Zinsen, hohen Laufzeiten und hohen Eigenkapitalanforderungen von Stabilität ge­kenn­zeich­net. Dagegen sind Wirtschaftsimmobilien besonders anfällig für Konjunk­turein­brüche und Unternehmensinsolvenzen. „Ein anhaltender Einbruch der Nachfrage bei den besonders betroffenen Wirtschaftsbereichen kann zu erheblichen Korrekturen bei Mieten und Preisen führen,“ sagt Prof. Dr. Dr. Lars P. Feld von der Universität Freiburg, der die gesamtwirtschaftliche Entwicklung analysiert hat. Beeinträchtigte oder aus­blei­ben­de Mieteinnahmen würden die Renditen der Investoren erheblich reduzieren - mit entsprechenden Auswirkungen auf Immobilienunternehmen, Banken und damit auch auf die Finanzstabilität. Demgegenüber könnte das Kündigungsmoratorium zu einer Problemverschleppung geführt haben. Weitere regulatorische Eingriffe in den Woh­nungs­markt schwächen das Vertrauen in Investitionen. Ein Mietenstopp würde Investitionen in einer Situation bremsen, in der sie am dringendsten gebraucht werden.

Hotellerie: Erholung erst bis 2024

Der Erhalt und die Stärkung urbaner Vielfalt stützt dabei auch die gebeutelte Hotel­le­rie. Der Corona-bedingte Shutdown brachte den Tourismus in Deutschland fast voll­stän­dig zum Erliegen. Im ersten Halbjahr 2020 sanken die Übernachtungszahlen in Deutschland um rund 47 Prozent zum Vorjahr (Shutdown-Monate April und Mai: -89,3% bzw. -74,9%). Trotz der schrittweisen Aufhebung der Reisebeschränkung und der damit einhergehenden erhöhten touristischen Nachfrage zeigte sich im Juni 2020 dennoch ein Übernachtungsminus in Höhe von 41,7% gegenüber dem Vorjahr. Der Tourismus in Deutschland wird frühestens 2022 wieder das Niveau von 2019 er­rei­chen - mit einer Erholung ist wohl eher in den Jahren 2023/2024 zu rechnen. Die beste­hen­den staatlichen Maßnahmen werden kaum ausreichen, um einer Insol­venz­welle in der Hotellerie entgegenzuwirken, deren Ausmaß durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht verschleiert wird. Es bedarf allerdings faktischer Hilfe und keiner Kosmetik für Regulierung.

Wohnimmobilienmarkt unbeeindruckt von Corona-Pandemie

„Der Wohnungsmarkt zeigt sich von der Corona-Pandemie und ihren Folgen bislang völlig unbeeindruckt. Die Mietausfälle sind vernachlässigbar“, stellt Prof. Harald Simons, Vorstand der empirica AG, fest. Die bisher vorherrschenden Trends der Mietentwicklung scheinen ungebrochen. Beim Wohnungsbau zeigt sich kein Einbruch, das Angebot wächst weiter. Ebenso steigen die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser insgesamt unbeeindruckt weiter an, zumal auch die Zinsen anhaltend niedrig sind. Bei Wohnimmobilien gibt es anders als bei Gewer­be­im­mo­bilien praktisch keinen Einbruch bei den Mietzahlungen. Weitere Regulierungen oder sonstige Eingriffe finden daher keinen Boden.

Die Erfahrungen während des Lockdowns können allerdings die Wohnlagepräferenzen beeinflussen. „Pendeldistanzen verlieren an Bedeutung bei abnehmender Prä­senz­pflicht aufgrund flexiblerer Arbeitsformen. Das Umland der Städte, aber auch ländliche Räume mit entsprechender Anbindung an wirtschaftsstarke Regionen können mittelfristig an Bedeutung gewinnen“, ergänzt Carolin Wandzik, Geschäftsführerin der GEWOS, die die Wohnungsmärkte in ländlichen Räumen untersucht hat.

Baulinks-Beiträge vom 18. September 2020

Überarbeitete DUD-Fachinformation zur Abdichtung unter Begrünungen
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/1570.php4
Der Industrieverband der Produzenten von Kunststoff-Dach- und Dich­tungs­bah­nen DUD e.V. hat seine Fachinformation (FI) „Abdichtung unter Begrünung“ überarbeitet. Sie beschreibt die unterschiedlichen Arten der Dachbegrünungen. weiter lesen

BuGG-WBB-Liste „Wurzelfeste Produkte für begrünte Dächer 2020“
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/1569.php4
Die Projektgruppe „WBB“ des Bundesverbands GebäudeGrün (BuGG) hat eine aktuelle Liste wurzelfester Produkte für begrünte Dächer ver­öffentlicht - die BuGG WBB Liste 2020 weiter lesen

Soprema reduziert Wurzelschutzauswaschung auf nahe Null
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/1568.php4
Soprema hat ein Produktionsverfahren entwickelt, durch das der Wur­zel­schutz dauerhaft in der Bitumendachbahn verbleiben soll. Konkret gibt das Unternehmen einen Wert von unter 1 mg/m² für die Wurzel­schutz­aus­wa­schung an. weiter lesen

Neues Gründach-Paket von Bauder: „Biotop“ für mehr Biodiversität auf kleinen Flächen
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/1567.php4
Mit wenigen Maßnahmen lassen sich in der Regel Extensivbegrünungen in ökologisch wertvolle Dachbiotope verwandeln: Modellierende Sub­strat­schüt­tun­gen sorgen dann für differenzierte Standortbedingungen, und zusätzliche Biotopelemente verstärken diesen Effekt. weiter lesen

RubberGard sei Dank? Kein erneutes Geschäft für Firestone bei Erweiterung eines Spa-Bereiches
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/1566.php4
Die umfassend modernisierte Saunalandschaft des Land & Golf Hotels Stromberg erhielt eine neue Außenanlage. Dazu wurde ein beste­hen­des, extensives Gründach in einen intensiv genutzten Dachgarten umgewandelt. weiter lesen

Mit RIB-ROOF und Dachbegrünung sanierte Wohnhaussiedlung in Augsburg
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Im Augsburger Osten dominierte bis vor rund 20 Jahren noch die Industrie. Heute gilt das Viertel jenseits der Lech als aufstrebendes Stadtviertel. Und so entstehen einerseits auf Industriebrachen Neu­bau­ten; andererseits werden viele alte Häuser saniert. weiter lesen

Neue Dampfsperr-Schweißbahn von Vedag kann bis zu 6 Monate als Behelfsabdichtung aushelfen
https://www.baulinks.de/webplugin/2020/1564.php4
Ist das Flachdach erst einmal abgedichtet, sieht man von der Dampf­sper­re nichts mehr. Gleichwohl trägt sie zur Dauerhaftigkeit einer Dach­kon­struk­tion bei. Ein Vertreter dieser Produktgruppe ist die neue Elasto­mer­bi­tu­men-Dampfsperr-Schweißbahn Vedagard Top AL-4E. weiter lesen

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