Bauletter, BAULINKS.de-Meldungen, vom 12.08.2026

ESA: Live-Übertragung der Sonnenfinsternis

Am 12. August 2026 zieht eine totale Sonnenfinsternis über Teile der Nordhalbkugel hinweg. Die Totalität beginnt über der Arktis, verläuft über Grönland, Island, den Norden Spaniens sowie die Balearen. Die ESA veranstaltet eine Live-Übertragung vom Observatorio Astrofisico de Javalambre in Teruel (Spanien). Dort werden Experten zusammenkommen, um die wissenschaftlichen Hintergründe zu erläutern. Die Übertragung wird auf Englisch über ESA Web TV und YouTube zu sehen sein.

"Störfall" Sonnenfinsternis

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wollen untersuchen, wie die Ionosphäre auf den plötzlichen Wegfall der Sonneneinstrahlung reagiert. Dabei spielt der Einfluss von Strahlung auf satellitengestützte Navigationssysteme wie etwa GPS oder das europäische Galileo-System eine Rolle. Deren Signale können verzögert oder gestört werden. Andererseits  ermöglicht die Ionosphäre die Reflexion bestimmter Radiowellen und ist damit entscheidend für Kurzwellenkommunikation über große Distanzen. Selbst Very-Low-Frequency-Signale (VLF), wie z.B. Kommunikation mit U-Booten, werden durch Veränderungen in der unteren Ionosphäre beeinflusst.

Neben der Untersuchung von Veränderungen der Ionosphäre, erlaubt die Sonnenfinsternis als klar definierter Störfall, grundlegende Prozesse der Dynamik und Kopplung in der oberen Atmosphäre besser zu verstehen.

Das DLR-Institut für Solar-Terrestrische Physik in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern will mehrere koordinierte Messkampagnen entlang des Pfades der Sonnenfinsternis durchführen. Mit dabei: die gemeinnützige wissenschaftliche Organisation EISCAT mit Radaranlagen in Nordeuropa führt hochpräzise Messungen von Elektronendichte, Temperatur und Bewegungen des ionosphärischen Plasmas in Echtzeit durch.

Zusätzlich werden in Finnland installierte Empfänger des "Globalen Ionosphärischen Flare-Detektionssystems" (GIFDS) des DLR zum Empfang von Signalen verschiedener VLF-Sender genutzt. Besonders interessant dabei ist unter anderem der sogenannte Midpoint – der zentrale Bereich entlang des Signalpfads zwischen Sender und Empfänger. Dadurch lassen sich Veränderungen der unteren Ionosphäre entlang der Ausbreitungsstrecke besonders präzise analysieren. Die so gewonnenen Informationen können im Rahmen des Projekts AIR-MoPSy zur Verbesserung des Systems Baltic R-Mode (für die Schifffahrtsnavigation im Ostseeraum) genutzt werden. Ergänzend werden Daten mehrerer Empfänger von Satellitennavigationssignalen auf Grönland und Island ausgewertet.

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